Urban Age Award 2014 Neu-Delhi

Am 14. November 2014 wurden in Delhi die Gewinner des 7. Deutsche Bank Urban Age Awards gekürt. Die Projekte Chintan und Goonj teilen sich den mit 100.000 USD dotierten Preis. Die Keynote hielt die fünffache Weltmeisterin der Amateurboxerinnen Mary Kom.

2014 wurde der Deutsche Bank Urban Age Award in Neu-Delhi ausgeschrieben. Die Gewinner wurden von einer unabhängigen Jury ausgewählt.

Es gab 135 Bewerbungen aus dem Großraum Delhi, welche die Vielfalt und Kreativität der Bewohner Delhis in deren Umgang mit sozialen und urbanen Herausforderungen in ihrer Stadt reflektierten.

manager goonj
Die Gewinneren der NGO Goonj bedankte sich mit einer Rede im Namen ihrer Organisation für den Preis.

Viele Projekte hoben die Kooperation zwischen verschiedensten Interessenvertretern wie sozialen Aktivisten, Gemeinschaftsgruppen, Stiftungen, Architekten und Designern, örtlichen Behörden, Universitäten und Regierungsorganisationen besonders hervor.

Die Bewerbungen kamen aus einer großen Bandbreite von Projekten unterschiedlichster Kategorien, u. a. Bildung, Kultur, Umwelt, Sanitärversorgung, öffentliche Räume, Transport und Recycling.

Der Preis ging schließlich an die zwei Initiativen Chintan – einem Recycling-, Verwertungs- und Bildungsprojekt in der New Delhi Railway Station, und Goonj, einer Nichtregierungsorganisation mit dem Ziel der Abfall- und Textilverwertung sowie Arbeitsplatzschaffung.

Chintan
Das Chintan Recyclingprojekt am Bahnhof von Neu-Delhi fertigt jeden Tag tonnenweise unsortierte Abfälle ab und ermöglicht es Lumpensammlern, ihren Lebensunterhalt in einem sauberen und würdevollem Arbeitsumfeld zu bestreiten.
Die NGO GOONJ widmet sich der Weiterverwertung riesiger Mengen ungenutzten alten Materials und Abfalls aus Privathaushalten für die Herstellung von Second-Hand-Produkten. Das Material kann in GOONJ-Zentren abgegeben werden. Es wird dann in einer Anlage sortiert, welche die Organisation in Madanpur-Khadarpur betreibt. Seit der Eröffnung der Sortieranlage hat das Armenviertel im Südosten von Neu-Delhi positive Veränderungen durchlaufen. Die Anlage ist in der Kommune fest etabliert und eröffnet Beschäftigungsmöglichkeiten für die Frauen vor Ort. Das sortierte Material wird dann als Parallelwährung für Entwicklungsprogramme in ländlichen Gegenden wie „Cloth for work“ eingesetzt. Hunderte Projekte der lokalen Bevölkerung werden gemeinsam mit NGOs vor Ort umgesetzt – vom Brunnenbau über den Bau sanitärer Einrichtungen bis hin zum Bau von Bambusbrücken. GOONJ verarbeitet etwa 1.000 Tonnen Feststoffabfälle pro Jahr und sorgt dafür, dass kein Müll auf Deponien landet, der noch weiterverwertet werden kann. Dank der Kreativität der Arbeiter von GOONJ werden aus ansonsten unbrauchbaren Materialien wie kaputter Kleidung, gebrauchten Büchern und Notebooks usw. verschiedene nützliche Produkte gefertigt. Im Rahmen des „My Pad“-Programms werden Damenbinden für die weibliche Landbevölkerung aus den letzten Resten zerrissener und unbrauchbarer Stoffe hergestellt. Das Projekt schafft ein kreatives, vor Ort verwurzeltes Arbeitsumfeld in Neu-Delhi und zeigt, wie wichtig nachhaltigere neue Produktions- und Konsumwege sind.
Goonj Projektbild

Goonj fertigt aus ansonsten unbrauchbaren Materialien wie kaputter Kleidung, gebrauchten Büchern und Notebooks usw. verschiedene nützliche Produkte dank der Kreativität seiner Arbeiter, sodass kein Müll auf Deponien landet.

Die Chintan Einrichtung am Bahnhof von Neu-Delhi fertigt tonnenweise unsortierte Abfälle ab, die Tag für Tag mit zahlreichen Zügen am Bahnhof ankommen. Die in der Anlage beschäftigten ausgebildeten Arbeiter sortieren den Müll, der ansonsten auf den Deponien außerhalb der Stadt landen würden, nach organischen und anorganischen Abfälle. Organische Abfälle werden mittels Mikrokompostierung zu Dünger verarbeitet. Die anorganischen Abfälle werden systematisch nach den verschiedenen recyclingfähigen Bestandteilen getrennt. Nur 20 % der ursprünglichen Abfallmenge wird schließlich auf Deponien gebracht. Ein systematischer Ansatz und gutes Prozessmanagement ermöglichen den marginalisierten Anwohnern, die ansonsten mit dem Sammeln von Lumpen ihren Lebensunterhalt bestreiten, ein würdevolleres Leben. Die sortierten Abfälle werden an verschiedene produzierende Unternehmen wie TetraPak verkauft und dort recycelt. Die mit diesem Projekt erzielten Gewinne fließen in Sozialfürsorge in der Kommune der Lumpensammler und den Aufbau von Bildungseinrichtungen für die Kinder der Müllarbeiter. Die Anlage ist auf einer früheren Mülldeponie angesiedelt. Auf diesem Areal wurde ein ordentliches und sauberes Arbeitsumfeld geschaffen. Ausgebildete Lumpensammler verdienen hier ihren Lebensunterhalt. Dieses Projekt zeigt, dass innovative Prozesse und die mutige Zusammenarbeit von Unternehmen, Anwohnern und Institutionen dazu beitragen können und notwendig sind, um in einer Megastadt wie Neu-Delhi gerechte und umweltbewusste Abfallwirtschaftskonzepte zu etablieren.
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